5 Minuten vor 24 Uhr

Es ist Zeit für Menschlichkeit – auch für die MTDG.
Der Arbeitsdruck muss gesenkt werden.
Die Anerkennung muss gesteigert werden – auch bei den MTDG.

von Andrea Wadsack

Gemeinsam sind wir stark in unserer bunten Vielfalt, wenn, ja wenn da nicht, ...

Wir erinnern uns:
Mitte September 2011: Auftaktveranstaltung der Kampagne„Zeit für Menschlichkeit“ der Hauptgruppe II. Danke jenen MTDG-KollegInnen, die dabei waren. Danke auch all jenen, die sich an den MitarbeiterInnen-Aktionen, in welcher Form auch immer (T-Shirt, Buttons, Plakate etc.), beteiligt haben und sich nach wie vor beteiligen. Sie haben mit uns gemeinsam bewirkt, dass derzeit ernsthafte terminierte Erhebungen und Gespräche mit Generaldirektion und Politik stattfinden und man hoffen darf, dass sich viele belastende Situationen zum Besseren wenden.

Wie wir begleitend dazu bemerkt haben, tun sich die Medien offensichtlich nach wie vor schwer, neben Pflege und Ärzten/Ärztinnen auch andere systemerhaltende Berufsgruppen zu erwähnen. Es ist ärgerlich, heißt für uns aber nur, dass wir uns weiterhin verstärkt für unsere Interessen und Rechte einsetzen müssen, um immer wieder den unschätzbaren Wert all unserer MitarbeiterInnen in das Bewusstsein von EntscheidungsträgerInnen zu bringen.

Weil es uns als Berufsgruppen unmittelbar betrifft, ist es jetzt höchste Zeit für klare Bekenntnisse und Zusammenhalt. Schluss mit falschem Stolz, irrationalen Ängsten und dem ewigen Hickhack!

Gebot der Stunde
Wenn wirklich Interesse vonseiten der MTDG, im Speziellen auch von deren verantwortlichen Führungskräften besteht, nachhaltige Verbesserungen für unsere Berufsgruppen herbeizuführen, ist es jetzt das Gebot der Stunde, gemeinsam die belastendsten Arbeitssituationen aufzuzeigen. Wichtig ist auch, immer wieder darauf hinzuweisen, dass Änderungen bei anderen Berufsgruppen, z. B. Dienstzeiten von Ärztinnen und Ärzten, unmittelbare Auswirkungen auf andere Bedienstete haben, die mit- bedacht werden müssen. Es ist Zeit für mehr Selbstverantwortung und Mitgestaltungswillen bei Arbeitsbedingungen. Das bedeutet, sich dementsprechend zu positionieren, mit uns als Gewerkschaft/Personalvertretung zu kooperieren und zusammengefasst und präzise die größten Defizite und Belastungen, die schwierigsten Rahmenbedingungen, aber auch Einsparungspotenziale abseits von Personalmaßnahmen etc. aufzuzeigen.

Es ist allerdings auffallend still, so als würden uns als MTDG die Kampagne „Zeit für Menschlichkeit“ und die daraus resultierenden Maßnahmen nicht betreffen. Mit wenigen Ausnahmen selbstverständlich, nämlich MTDG-MitarbeiterInnen, die sich Zeit genommen haben die Fragebögen auszufüllen, und PersonalvertreterInnen, die sich bemüht haben die für alle so wichtigen Informationen an ihre KollegInnen weiter- zugeben. Viele Führungskräfte tun sich scheinbar besonders schwer einen Zusammenhang zwischen „Zeit für Menschlichkeit“ und MTDG herzustellen. Tatsache aber ist: Wir sind entweder dabei oder außen vor – wie hätten wir es denn gerne? Im Klartext: Wenn wir uns als MTDG nicht dementsprechend beteiligen, werden wir in den Zukunftsplanungen und den Budgetfragen nur sehr wenig Berücksichtigung finden. Warum das so ist: Naja, weil wir damit den Ein- druck erwecken keine schwerwiegen- den Probleme und besonders belastende Arbeitssituationen im MTDG- Bereich zu haben. Wir wissen aber alle, dass dem nicht so ist.

Die bereits gestellten Personalforderungen sind allerdings nicht die Lösung für alle zu bewältigen- den Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft. Denn wären damit wirklich alle Probleme unserer MitarbeiterInnen und jene ihrer Vorgesetzten ausgeträumt? Ist das die einzige Ursache für die hohen Burn-out-Raten bei unseren MitarbeiterInnen? Haben wir keine kreativen Vorschläge für „neue“ Arbeitswelten, keine Zukunftsperspektiven? Keine Idee, wie der unüberhörbare, sich ständig wiederholende und lauter werdende Ruf unserer MitarbeiterInnen nach mehr Wertschätzung gestillt werden könnte? Mit welchen Altersstrukturen hat der MTDG-Bereich zu tun und was bedeutet das für unsere Berufsgruppen (alterns- gerechte Arbeitsplätze)? Warum wird es immer schwieriger, selbst vorhandene und besetzte (?) Dienstposten nachzubesetzen. Wie müsste dem „Mangel“, speziell im Bereich der biomedizinischen AnalytikerInnen, Radiologietech- nologien, LogopädInnen und Hebammen entgegengewirkt werden? Welche Rolle spielt dabei die FH Campus Wien? Wo bleibt der Zusammenhalt der MTDG, wenn es um die Erreichung höherer Ziele geht (angemessene zeitliche Ressourcen für Praktikumsbetreuung, Projekte, ...)?

Wie könnte bzw. sollte ein sinnvoller Einsatz der DMTF im KAV erfolgen, was braucht es dazu? Wo bleibt das Anliegen, das den meisten leitenden OberassistentInnen seit Jahren sehr am Herzen liegt, nämlich ein gleichwertiger Part in
der kollegialen Führung zu werden? Der Gewerkschaft gegenüber wurden immer sehr gute, nachvollziehbare Gründe hierfür vorgebracht. Meinerseits unterstütze ich dieses Anliegen auch sehr gerne, aber gerade solche Forderungen können nur gemeinsam durch- gesetzt werden. Warum nutzt man also diese Gelegenheit nicht? Und warum bitte schön erkundigt man sich nicht, reagiert man nicht auf Informationsschreiben etc.? Glauben wir, dass wir Zusammenhalt nicht nötig haben?
Stopp – Innehalten - Nachdenken - Vorwärtsstreben – denn: „Gemeinsam sind wir stark in unserer bunten MTDG-Vielfalt.“

Qualitätsverlust in der PatientInnenversorgung

Wir haben einige massive Probleme im MTDG-Bereich. Ohne die Bereitschaft, die langfristigen Folgen ernst zu nehmen und ehebaldig die notwendigen Schlüsse und Handlungen daraus zu ziehen, werden sie Ausmaße annehmen, die letztendlich zu einem Qualitätsverlust in der PatientInnenversorgung führen werden. Deshalb brauchen wir Beteiligung, Betroffenheit – auch wenn es um andere geht, Mut, um Untragbares aufzuzeigen und geeintes Auftreten, um Missstände zu beseitigen. Hinschauen statt wegschauen. Kollegialität und Solidarität statt Ichbezogenheit und Arroganz. Offensichtlich benötigen wir einen Verhaltenskodex, der bei Nichteinhaltung auch spürbare Konsequenzen nach sich zieht – gültig für ALLE, auch für Führungskräfte. Angst und Einschüchterung sind in einem Ausmaß vorhanden, das einem demokratischen Land unwürdig ist. Es war erschütternd zu sehen, wie viele MitarbeiterInnen sich vor„Konsequenzen“ fürchteten, als wir sie vor dem Kampagnenstart baten die Frage- bögen auszufüllen! Damit aus Angst und Einschüchterung nicht irgendwann Ohnmacht und Wut oder destruktive Resignation wird, kann nicht oft genug betont werden, dass es höchste Zeit ist, einen Kulturwandel herbeizuführen!

Politik und Generaldirektion haben versprochen, sich intensiv mit den von MitarbeiterInnen, Führungskräften und Personalvertretungen – Hauptgruppe II vorgebrachten Problemen auseinander- zusetzen (Fragebogenaktionen). Als ersten Erfolg und positives Zeichen sehen wir die Rücknahme bereits angeordneter Maßnahmen (Stopp bei Fortbildungen, Beförderungen, Renumerationen) und die rasche Erfüllung einzelner, seit langem bestehender Forderungen. Des- halb möchten wir im Interesse unserer MitarbeiterInnen und unserer PatientInnen auch daran glauben und darauf hof- fen, dass Veränderung im positiven Sinne doch noch stattfindet. Als Folge gibt es derzeit auch nur begleitende Maßnahmen zur (kämpferisch) begonnenen Kampagne von Seiten der GdG- KMSfB-HG II. Wir wollen keinen Kampf um jeden Preis, aber die Zeit der Vertröstungen und Schönrederei ist endgültig vorbei!

Liebe KollegInnen, Weihnachten ist schon vorbei. Und so wollen wir hoffen und uns wünschen, dass wir diesmal nicht nur vertröstet werden. Da es doch, wenn auch selten, immer wieder Wunder gibt, glauben wir an die bekundete Bereitschaft mit uns gemeinsam nach tragfähigen Zukunftslösungen suchen zu wollen und diese auch umzusetzen, und zwar ohne gleichzeitig mit der Privatisierungskeule zu drohen – denn: „Erfolg hängt davon ab, worin die Absicht liegt.“ (Gita Bellin)