Kasse will Diabetiker per Telemedizin betreuen

Wien, 09.11.2010

In einem ersten Pilotprojekt prüft die Versicherungsanstalt für Eisenbahnen und Bergbau (VAEB) mit rund 265.000 Versicherten die Möglichkeit, via Handy und Computer Diabetiker langfristig besser zu betreuen. Rund 100 Patienten und 17 niedergelassene Ärzte in Wien nehmen an dem Projekt derzeit teil, erklärte man von Seiten der VAEB gegenüber der APA.

Das Projekt gilt für Typ-1 ("juvenile Diabetiker", insulinpflichtig) und Typ-2-Diabetiker (ehemals auch "Altersdiabetiker" genannt). Es soll dabei ein elektronisch leicht handhabbares Diabetiker-Tagebuch erstellt werden, aus dem Arzt und Patient ablesen können, wie es um die Kontrolle der chronischen Stoffwechselerkrankung steht.

In Österreich wurden schon mehrere Initiativen gestartet, um die langfristige Betreuung von Zuckerkranken zu verbessern. Von der Krankheit betroffen sind fünf bis sechs Prozent der Bevölkerung. Ist der Blutzucker nur mangelhaft eingestellt, haben die Betroffenen einen zu hohen Blutdruck, machen sie zu wenig Bewegung, drohen zahlreiche Spätkomplikationen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Nieren-, Augen- und Nervenschäden sowie schwere Durchblutungsstörungen der Beine.

Um das zu verhindern, sollten Zuckerkranke regelmäßig ihr Gewicht kontrollieren, Blutzucker und Blutdruck messen - und am besten dem Arzt übermitteln. Die moderne EDV soll das jetzt wesentlich vereinfachen.

Versicherte der VAEB mit Diabetes werden in Breitenstein am Semmering im Genesungsheim der Krankenkasse geschult und auf das Projekt angesprochen. Teilnahmewillige erhalten ein Bluetooth-fähiges Handy und Blutdruck- sowie Blutzuckermesser, welche automatisch die Daten übermitteln.

Rückmeldung vom Arzt

Der behandelnde und an dem Projekt teilnehmende Arzt ruft mit einem Password die Daten zumindest einmal in der Woche auf. Dann kommt ein Rückmeldung an den Kranken. Der Arzt sendet zurück "Alles o.k.", gibt im Bedarfsfall Empfehlungen, wie der Zuckerkranke beispielsweise seine Blutzuckereinstellung verbessern könnte oder mahnt die Vereinbarung eines Arzttermins ein.

Im Rahmen des Pilotprojektes werden die Ärzte "kostenneutral" für ihre Motivationsarbeit und ihre Betreuungstätigkeit am Computer honoriert. Das heißt, dass sie in ähnlicher Höhe bezahlt werden als würden sie laufend ihre betreuten Diabetes-Patienten mit VAEB-Krankenversicherung physisch in der Ordination sehen. Die teilnehmenden VAEB-Patienten wiederum ersparen sich für die Dauer des Pilotprojektes den Selbstbehalt (14 Prozent).

Die abgefragten Werte der teilnehmenden Diabetiker dürften sich - so die ersten Informationen - zum Teil deutlich verbessern. Für die VAEB hätte die Telemedizin direkte Vorteile: Die Krankenkasse ist mit 265.000 Versicherten relativ klein, hat aber Versicherte in ganz Österreich - und kann nicht überall Zentren zur Betreuung aufbauen.