Aufnahmestopp für 1.690 Dienstposten im Alleingang verordnet

03.12.2010

DiePersonalvertretung im Wiener Krankenanstaltenverbund ("Hauptgruppe
II") übt scharfe Kritik an KAV-Generaldirektor Wilhelm Marhold, der
Ende November einen Aufnahmestopp für AbteilungshelferInnen bekannt
gegeben hat. "Diese Maßnahme zielt grundsätzlich darauf ab, keine
weiteren Neuaufnahmen von Abteilungshelferinnen vorzusehen", so
Marhold in einer Mitteilung.

Derzeit umfasst die Berufsgruppe der AbteilungshelferInnen über 1.600
Beschäftigte, die einen wesentlichen Beitrag zur Entlastung des
Pflegepersonals leisten. AbteilungshelferInnen wurden in Wien nach
dem Lainzer Skandal 1989 - auf Empfehlung der damals eingesetzten
Expertenkommission - eingeführt.

Gerhard Steiner, Vorsitzender des Personalgruppenausschusses Pflege,
ist entsetzt über die Entscheidung Marholds. "Damit katapultiert uns
das Management zurück in die Zeit vor dem Lainzer Skandal. Die
Abschaffung dieser Berufsgruppe gefährdet die Qualität der
Patientenbetreuung" so Steiner. Als "frauenfeindlichen Akt" bewertet
Christa Hörmann, Bundesfrauenvorsitzende der GdG-KMSfB (Gewerkschaft der Gemeindebediensteten - Kunst, Medien, Sport, freie Berufe), den Aufnahmestopp. "Der schleichende Personalabbau trifft - wieder einmal - vor allem Frauen", so Hörmann.

Martin Bach, Personalvertreter der betroffenen Berufsgruppe, sieht
darin ein Zeichen für die Konzeptlosigkeit des KAV-Managements:
"Notwendige wirtschaftliche Tätigkeiten einzusparen und anderen
Berufsgruppen umzuhängen ist alles andere als ein Personalkonzept.
Scheinbar wird das milliardenteure Krankenhaus Nord auf dem Rücken
der Beschäftigten gebaut."

Auch Bernhard Harreither, Vorsitzender der Hauptgruppe II,
vermisst ein Personalkonzept: "Solche Maßnahmen können nicht im
Alleingang, ohne Absprache und Gegenmaßnahmen gesetzt werden. Das
steht im Widerspruch zur Wiener Stadtpolitik. Weniger Personal bei
wachsenden Anforderungen, das kann auf Dauer nicht gut gehen - weder
für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter noch für die Patientinnen
und Patienten." Aufgrund des Aufnahmestopps für Abteilungshelfer/innen hat die Hauptgruppe II für heute Mittag kurzfristig ein fraktions- und berufsgruppenübergreifendes Treffen anberaumt. "Wir stellen uns auf stürmische Zeiten ein", ließ Harreither kurz vor Sitzungsbeginn verlautbaren.