Gesundheitsbericht zeigt Geschlechterunterschiede

Wien, 07.03.2011

583 Seiten und zweieinhalb Zentimeter dick - mit diesen beeindruckenden Maßen kann der "Österreichische Frauengesundheitsbericht 2010/2011" aufwarten, der bei einer Pressekonferenz in Wien präsentiert wurde. Alois Stöger versprach als zuständiger Minister, dass dieser nicht in einer Schublade verstauben werde.

Vielmehr werde man das Werk zur Grundlage dafür nehmen, dass die Ärzte einen Blick auf die unterschiedlichen Geschlechter legen - und zwar bei der Prophylaxe, Diagnose, Therapie und Nachbehandlung. Bei der Medikamentenzulassung sei man schon so weit, dass die unterschiedliche Wirkung auf Männer und Frauen untersucht werden muss.

"Wir sind die besseren Gesundheitsmanagerinnen", betonte Martha Stolz vom Verein für prophylaktische Gesundheitsarbeit. Die Sorge um den eigenen Körper sei bei den Frauen ausgeprägter, während sich Männer für gesünder halten und nur dann zum Arzt gehen, wenn "der Hut wirklich brennt".

Die überdurchschnittlich häufigen Arztbesuche und Entlassungen aus Akut-Krankenanstalten würden sich durch die Schwangerschaften, aber auch dadurch erklären lassen, dass das Alter weiblich ist: Bei den über 75-Jährigen gibt es doppelt so viele Frauen wie Männer. Kein Wunder, dass es doppelte so viele weibliche Demenzfälle gibt.

Frauen ernähren sich gesünder, haben dafür aber oft ein gestörtes Verhältnis zum Essen, was Scholz durch Diätwahn und vor allem die Empfänglichkeit ihrer Geschlechtsgenossinnen für Schönheitsideale erklärte. Männer sind dafür sportlicher, was sich im Alter aber umkehrt.

Bei den häufigstens Todesursachen liegen bei Männern (37,1 Prozent) und Frauen (48,2 Prozent) die Herz-Kreislauf-Erkrankungen an erster Stelle, gefolgt von Krebs mit 28,6 bzw. 22,5 Prozent. Eindeutig vorne liegt das starke Geschlecht bei den Verletzungen und Vergiftungen, die mit 7,5 Prozent der Todesursachen einen doppelt so hohen Anteil haben.

Zeitweise scheint der Bericht zwar Fakten aufzuzeigen, aber (noch) nicht die Ursache dafür aufzeigen zu können - etwa dafür, dass Frauen doppelt so oft depressiv sind wie Männer. Liegt es an der Mehrfachbelastung, gibt es hormonelle Gründe oder sind Frauen einfach öfter bereit, über ihre Probleme zu sprechen und dafür ärztliche Hilfe in Anspruuch zu nehmen? Scholz tippt auf den Stress durch Familie und Beruf: "Aber das sind nur Vermutungen."