Steiermark optimiert Pflege bis 2020

Graz, 07.07.2011

Die für Gesundheit und Pflege zuständige steirische Landesrätin Kristina Edlinger-Ploder (V) will die Pflege in der Steiermark bis 2020 mittels eines Bedarfs- und Entwicklungsplanes (BEP) optimieren. Dieser wurde am Donnerstag in Graz vorgestellt, bereits Ende Mai hatte die Landesrätin die wichtigsten Maßnahmen bis 2015 präsentiert.

Edlinger-Ploder will den angekündigten Ausbaustopp bei Pflegebetten für die nächsten zwei Jahre durchziehen und nur wenige Ausnahmen machen. Ein Personalplan soll die Ausbildung und die Zahl der Absolventen steuern helfen, weiters wird dem Thema Migranten in Pflegefragen verstärkt Aufmerksamkeit gewidmet. Derzeit habe man in der Steiermark 12.177 Betten, belegt seien 10.667, inklusive der 307 Pflegeplätze komme man auf rund 12.500 Betten. Davon sind allerdings 655 zwar bewilligt, aber noch nicht verfügbar. In 13 Jahren habe man eine Steigerung um 72,8 Prozent registriert, so die Landesrätin. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer in Pflegeheimen betrage drei Jahre und sei im Sinken begriffen. In manchen Bezirken habe man eine hohe Versorgungsdichte (Betten pro 1.000 Einwohner über 75 Jahren), wie etwa in Bruck/Mur oder Graz-Umgebung, in Weiz sei die Dichte wieder recht niedrig. Aufgrund der großen Verflechtungen würden übrigens Graz und Graz-Umgebung künftig als eine Region behandelt, sagte Edlinger-Ploder.

2009 habe man fünf Trägerorganisationen (Caritas, Rotes Kreuz, Volkshilfe, Hilfswerk, VSP) für die mobile Hauskrankenpflege gehabt, mit 15.046 Klienten und 1,439 Mio. Hausbesuchen, wofür 48 Mio. Euro aufgewendet wurden. In der stationären Pflege habe man 2010 rund 350 Mio. Euro aufgewendet (2005: 180 Mio. Euro).

Mobile Dienste forcieren

Die Strukturanalyse habe ergeben, dass bis 2020 eine erhebliche Steigerung von sogenannten Hochbetagten über 75 Jahre bis 2020 zu verzeichnen sei, überdurchschnittlich viele Menschen bezögen Pflegegeld geringer als Stufe vier. Hier ließe sich wieder ein Schwergewicht auf die mobilen Dienste als auf stationäre legen. Rund 70 Prozent der infrage kommenden Menschen würden derzeit daheim gepflegt, so die Landesrätin.

Über die Bedarfsanalyse - unter Berücksichtigung des Ausbaustopp in den nächsten zwei Jahren - habe man 2020 einen zusätzlichen Bedarf von 2.310 Betten - von diesem könnten jedoch die bewilligten, aber noch nicht errichteten rund 650 Betten abgezogen werden, wodurch sich ein Bedarf von plus 1.660 Pflegebetten bis 2020 ergebe.

Edlinger-Ploder will Demenzkranken einen besonderen Stellenwert einräumen, ein Augenmerk werde auch auf Migranten gelegt, die in den 1960er Jahren nach Österreich gekommen sind. Diese kämen nun in ein Alter, in dem die Pflegefrage akut werde. Stationäre Pflege würde von dieser Gruppe erfahrungsgemäß nicht so wirklich angenommen: "Sie ist oft sogar unvorstellbar", so Edlinger-Ploder. Hier müsse in Zukunft u.a. mit Interkulturalität bei der Pflegeausbildung angesetzt werden. Ein Vorteil sei auch, dass es Pflegebeschäftigte aus diversen Migrationsländern gebe.