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Juni 2016

Forderungen zur Digitalisierung

Gute Arbeit durch Arbeiten 4.0, Shared Economy & Co? Nur wenn wir den digitalen Wandel mitgestalten!

Wir befinden uns mitten im digitalen Wandel, in der sogenannten 4. industriellen Revolution. Ergeben sich damit Veränderungen der Arbeitswelt, mit deren Folgen die ArbeitnehmerInnen leben müssen? Oder besteht die Möglichkeit durch diese Entwicklung die Arbeit auch besser zu gestalten? Wir sind gefordert diesen digitalen Wandel mitzugestalten und die Rahmenbedingungen für gute Arbeit für alle zu gewährleisten. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass die Entwicklungen der digitalen Technologie unaufhaltsam voranschreiten. Das große Potenzial an Technik ermöglicht die Automatisierung von verschiedenen Tätigkeiten in beinahe allen Dienstleistungsbereichen. Online-Märkte, Systeme wie car-sharing, Crowd-Working-Plattformen oder Uber drängen auf den Markt und stehen somit in Konkurrenz mit den herkömmlichen Erbringungsarten. Die Digitalisierung wird zu einem Geschäftsmodell, das sich nicht mehr aufhalten lässt.

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Der digitale Wandel ist allerdings kein Naturgesetz, vielmehr ein von Menschen gesteuerter Prozess, der durchaus auch den Bedürfnissen der Gesellschaft angepasst werden kann. Statt abzuwarten, welche Folgen für die Qualität der Arbeit zu erkennen sind, wird es notwendig eine eigenständige Strategie für gute Arbeit zu etablieren. Kernbereiche dieser Strategie können ua weniger körperliche und psychische Belastungen, weniger Routinearbeit, alternsgerechte Arbeitsgestaltung, Vermeidung von Nachtarbeit, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, kürzere Arbeitszeiten, etc. sein. Die Gestaltung und den Einsatz der Technik strikt an gesellschaftlichen Zielen aufzuziehen, wäre eine echte industrielle Revolution.

Um eine Annäherung an diese Fragestellungen zu erreichen, veranstaltete younion _ Die Daseinsgewerkschaft gemeinsam mit dem Europäischen Gewerkschaftsverband der öffentlichen Dienste (EPSU) eine internationale Konferenz zu diesem Thema. Rund 50 TeilnehmerInnen diskutierten zu verschiedenen Themen der Digitalisierung, sei es Datenschutz betrieblich oder privat, Erneuerung von Arbeitsplätzen und Kapazitäten, Umschulungen und Veränderungen in der Aus- und Weiterbildung.

Ein weiterer Tag mit BetriebsrätInnen und PersonalvertreterInnen zeigte die möglichen Auswirkungen auf die Stadt Wien, die betrieblichen Strukturen und jede einzelne Arbeitskraft auf. Die RednerInnen der Konferenzen gaben ihre Expertise und ihre Prognosen zum Besten und konnten erste Einblicke in mögliche Gestaltungen des digitalen Wandels geben.

younion _ Die Daseinsgewerkschaft fordert angesichts der aktuellen Entwicklungen im Bereich der Digitalisierung folgende Maßnahmen:

  • Öffentliche Dienstleistungen dürfen durch den digitalen Wandel nicht liberalisiert werden. Die Auslagerung von Aufgaben des öffentlichen Dienstes auf Crowd-Working-Plattformen wird abgelehnt.
  • Veränderungen in der Arbeitstätigkeit erfordern gezielte und individuelle Aus- und Weiterbildungs- sowie Qualifizierungsangebote, diese müssen in jedem Dienstleistungsbereich gewährleistet werden.
  • ArbeitnehmerInnenrechte dürfen durch den digitalen Wandel nicht untergraben oder verletzt werden. Die Überprüfung und gegebenenfalls gesetzliche Anpassung der ArbeitnehmerInnenrechte an neue Rahmenbedingungen hat zu erfolgen. Die Beteiligung der ArbeitnehmerInnenvertretung in den Prozess der Einführung und Verwendung neuer Technologien am Arbeitsplatz ist auszubauen.
  • Verpflichtende Maßnahmen um einen Informationsüberfluss und eine Überwachung bzw Taktung verschiedener Arbeitsschritte nicht zu Ungunsten der ArbeitnehmerInnen ausfällt und die Arbeitsbedingungen noch bewältigt werden können.
  • Verpflichtenden Maßnahmen im Bereich des betrieblichen Datenschutzes um Tätigkeiten und ArbeitnehmerInnen vor Risiken zu schützen und Transparenz nicht zur Überwachung werden zu lassen.
  • Verpflichtende Maßnahmen im Rahmen der Gesundheitsförderung.(Durchsetzung in Betriebsvereinbarungen)
  • Es geht darum, Teilhabe an der Arbeit – wenn notwendig durch deutliche Arbeitszeitverkürzung – zu sichern, Erwerbsarbeit und individuellen Lebensrhythmus in Einklang zu bringen, gerechte Löhne für alle durchzusetzen und soziale Sicherheit durch staatliche Sicherungssysteme zu bewahren. Die Auswirkungen der Digitalisierung müssen Teil der in Europa geführten Diskussion über die Work-Life- Balance werden.
  • Österreich braucht daher eine geeignete digitale Strategie um diesen gesellschaftlichen Herausforderungen begegnen zu können.

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