Archives

Corona-Bonus: Viele haben sie verdient, wenige sollen sie bekommen

Gewerkschaften üben harte Kritik: „Wen wollen Sie ausschließen, Herr Kanzler?“

„Wir haben für die Corona-Prämie hart gekämpft. Dass einzelne Berufsgruppen der Gesundheitsberufe ihre 500 Euro jetzt endlich bekommen sollen, ist ein großer Erfolg. Aber viel mehr ArbeitnehmerInnen haben sich diese Anerkennung verdient, die Regierung darf diese hervorragenden Leistungen nicht einfach ignorieren“, forderten heute, Dienstag, die Gewerkschaften younion, vida, GPA und GÖD im Namen ihrer Mitglieder.

„Die Willkür bei der Auszahlung der Corona-Prämie ist Atmen beraubend. Auf einer Spitalsstation sind die 500 Euro genehmigt, die KollegInnen nebenan sollen leer ausgehen. Das werden wir nicht hinnehmen. Spitäler und Pflegeeinrichtungen sind eine Einheit, sämtliche Beschäftigten haben zur Bewältigung der Pandemie beigetragen und haben sich Anerkennung verdient“, stellte Edgar Martin, Vorsitzender der Hauptgruppe II – Wiener Gesundheitsverbund in der younion _ Die Daseinsgewerkschaft klar.

„Wer alte Menschen pflegt und betreut, soll 500 Euro bekommen. Wer sich um Behinderte kümmert, nicht. Das ist absolut nicht nachvollziehbar“, sagt Mario Ferrari, Geschäftsführer der GPA Wien: „Viele Berufsgruppen, etwa auch die Wohnungslosenhilfe oder die Sucht- und Drogenberatung leisten seit Pandemiebeginn Unglaubliches. Jetzt den Gesundheits- und Sozialbereich zu spalten ist unredlich.“

Ferrari führt aus: „Der Finanzminister soll ausreichend Geld zur Verfügung stellen um allen Heldinnen und Helden der Krise Wertschätzung zu zeigen. In den allermeisten Fällen fließt das Geld über Konsum sofort in den Wirtschaftskreislauf zurück und fördert den heimischen Handel. Diese Maßnahme wäre also nicht nur gerecht, sondern kurbelt außerdem die heimische Wirtschaft an.“

„Gerade auch die Kolleginnen und Kollegen bei den Rettungs- und Krankentransporten haben ihr Leben bei der Pandemiebekämpfung riskiert. Sie waren in jedem Spital, in jeder Pflegeeinrichtung und auch oft in den Wohnungen von Infizierten“, betont Sylvia Gassner, Vorsitzende des Fachbereichs Soziale Dienste der Gewerkschaft vida und Betriebsrätin beim Roten Kreuz.

Mit wenig Verständnis reagiert auch Gerald Mjka, Betriebsrat im Krankenhaus Göttlicher Heiland Wien und stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft vida, auf den Gesetzesvorschlag. „So wie sich der Gesetzesvorschlag liest, schaut es so aus, als hätte die Regierung nicht nur auf einzelne Berufsgruppen vergessen, sondern auf ganze Bereiche“, sagt der Gewerkschafter. Es würde zum Beispiel nicht nur Reinigungspersonal nicht berücksichtigt werden, sondern in privaten Krankenanstalten auch Pflegekräfte, die direkt am Patienten arbeiten. „Wir lassen uns aber nicht auseinanderdividieren. Alle Beschäftigten in Gesundheitseinrichtungen haben ihren Beitrag geleistet und sich daher den Bonus verdient“, schließt Mjka.

Reinhard Waldhör von der GÖD-Gesundheitsgewerkschaft: „Zu Beginn der Krise 2020 war kaum effektive Schutzausrüstung vorhanden. Die Kolleginnen und Kollegen aller Professionen haben waren sich ihrer ethischen Verantwortung bewusst und haben trotz des großen Infektionsrisikos ihre Aufgaben in allen Bereichen bestmöglich erfüllt. Und das waren nicht nur die unmittelbar medizinisch-, pflegerischen. Mund-Nasenschutz auch Stoff wurde genäht – heute 15 Monate später unvorstellbar, Desinfektionsmittel wurden selbst hergestellt.“

Innerhalb von wenigen Tagen haben die Teams der Technik ganze Eingangsbereiche von Krankenhäusern zu Sicherheitsschleusen umgebaut, es wurden Zugangskontrollen auf die Beine gestellt, die Labors fahren bis heute Sonderschichten, um die vielen Tests abarbeiten zu können. Waldhör: „Die Kolleginnen und Kollegen aus dem Verwaltungsbereich arbeiten bis jetzt ebenso in Hochrisikobereichen, nicht wenige haben sich im Dienst mit Covid19 infiziert und sind schwer erkrankt. Warum ausgerechnet diese Berufsgruppen vom Bonus ausgeschlossen werden sollen, erschließt sich uns nicht! Wir fordern eine faire Verteilung des Covid19-Bonus an alle, den auch zum Gelingen braucht es alle!“

Pflegereform muss rasch umgesetzt werden!

„Die Arbeiten zu einer umfassenden Pflegereform sind offenbar ins Stocken geraten. Im zuständigen Pflegeministerium ist es schon vor dem Rücktritt von Minister Anschober dazu ruhig geworden. Jetzt, nach dem Wechsel zu Minister Wolfgang Mückstein, muss die Arbeit dazu wieder rasch und umfassend aufgenommen werden!“, fordern Reinhard Waldhör, Vorsitzender der GÖD-Gesundheitsgewerkschaft, und Edgar Martin, Vorsitzender der younion _ Die Daseinsgewerkschaft Hauptgruppe II, gleichlautend.

Während Pflegepersonen in den öffentlichen Krankenhäusern zwar laufend als „Heldinnen und Helden“ tituliert werden, bewegt sich hinter den Kulissen nur wenig zum Besseren. „Die Arbeitsüberlastung hat im vergangenen Jahr ungeahnte Ausmaße angenommen. Die Kolleginnen und Kollegen brauchen Dienstplansicherheit und können nicht laufend einspringen. Wir fordern Investitionen in eine Ausbildungsreform, um hochqualifizierte Fachpflegepersonen in ausreichender Zahl zu gewinnen“, richtet Waldhör dringende Forderungen an die politisch Verantwortlichen.

Auch Edgar Martin bekräftigt notwendige Verbesserungen: „Die bedingungslose Aufnahme der Pflegeberufe in der Schwerarbeitsverordnung ist dringend notwendig. Einer aktuellen Fehlzeitenanalyse des wissenschaftlichen Instituts der deutschen AOK zufolge fehlten den Kolleginnen und Kollegen in den Pflegeberufen im Jahr 2020 durchschnittlich 25,4 Tage und damit 6,1 Tage mehr als in anderen Berufen. Die überdurchschnittlich hohen Arbeitsunfähigkeitszahlen in der Pflegebranche belegen, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in diesen verantwortungsvollen Berufen körperlich wie psychisch sehr hohen Belastungen ausgesetzt sind. Daher ist die Anerkennung aller Pflegeberufe als Schwerarbeiter ein Gebot der Stunde“.

Die GÖD-Gesundheitsgewerkschaft und younion – Hauptgruppe II – Team Gesundheit sind die Vertreter der 120.000 Beschäftigten im öffentlichen Gesundheits- und Pflegebereich. Rund 65.000 gehören den Pflegeberufen an.

Ohne Reformen fehlen 75.000 Fachkräfte!

Offener Brief an Gesundheitsminister und Landeshauptleute:

Nachwuchs braucht bessere Bedingungen

„Bis zum Jahr 2030 brauchen Gesundheits-, Pflege- und Sozialberufe rund 75.000 zusätzliche Fachkräfte. Unter den aktuellen Bedingungen ist das nicht machbar!“, warnt Sarah Kroboth, Referentin für Auszubildende in der Hauptgruppe II der younion_ Die Daseinsgewerkschaft. Die Gewerkschaftsjugend der younion, GÖD, Vida und GPA haben sich zusammengeschlossen und einen Brief an den Gesundheitsminister und die Landeshauptleute gesendet. Die Kernbotschaft: Auszubildende brauchen bessere Bedingungen und vor allem bessere Entlohnung.

„Niemand soll sagen können, wir hätten nicht rechtzeitig Alarm geschlagen“, erklärt Verena Strobl, Jugendsekretärin der GÖD. Derzeit sind die Anreize für eine Ausbildung nicht sehr verlockend. Strobl: „Mehr als die Hälfte ihrer Ausbildungszeit müssen junge Menschen im Gesundheits- und Pflegebereich mit praktischer Arbeit verbringen, nebenbei noch für Prüfungen lernen. Aber, und das ist der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt: Sie bekommen keine finanzielle Entschädigung dafür.“

Dabei mangelt es oft nicht an gutem Willen. Sehr wohl aber an der notwendigen Unterstützung durch die hohe Politik. Roman Brunner, Jugendsekretär der vida: „Einige Träger bemühen sich bereits seit Jahren um eine Verbesserung der Rahmenbedingungen und der Bezahlung, aber ohne die notwendige finanzielle Unterstützung durch die Bundesregierung stehen sie auf verlorenem Posten.“ Der Kampf um eine faire Bezahlung und bessere Rahmenbedingungen für Auszubildende ist seit jeher eine der Kernaufgaben der Gewerkschaftsjugend. Grundforderung ist ein Ausbildungsfond, in welchen Länder, Bund und private-kommerzielle Träger einzahlen sollen, um Auszubildende zu entlohnen.

„Es braucht viele Maßnahmen, um den Pflegekräftemangel zu bekämpfen. Eine Reform der Ausbildung wäre ein guter Anfang“, sagt Susanne Hofer, Vorsitzende der GPA-Jugend: „Wir fordern einen Ausbildungsfonds, aus dem junge Menschen in der Pflegeausbildung bezahlt werden. Ein Einstieg in den Pflegeberuf darf nicht daran scheitern, dass man ihn sich nicht leisten kann. In anderen Berufen ist die Ausbildung bezahlt, das muss auch für die Pflegeausbildung möglich sein.“

„Gerade in der aktuellen Krise wird ersichtlich, wie schnell unser Gesundheitssystem erschöpft sein kann. In den nächsten Jahren wird sich das wohl nicht ändern, wenn jetzt nichts getan wird. Wir müssen in die Auszubildenden investieren um unser ausgezeichnetes österreichisches Gesundheitssystem weiter aufrechtzuerhalten!“, sind sich die GewerkschafterInnen einig.

ORF Medienbericht: Gesundheitspersonal fühlt sich unzureichend geschützt

Ein mögliches Schlupfloch für die Covid-19-Erreger in Pflegeheimen und Krankenanstalten hat die Gesundheitsberufeplattform Offensive Gesundheit entdeckt.

Auch in der neuen Covid-19-Notverordnung, mit der Österreich in den Lockdown geschickt wurde, mangelt es an einer vollends sicheren Regelung für das Gesundheitspersonal bei positiven Tests ohne Symptome. Im schlimmsten Fall könnte es zu Infektionen bei Beschäftigten und Patienten kommen.

„Derzeit kann der Arbeitgeber (im Pflege- und Spitalswesen, Anm.) die Leute in die Arbeit rufen, wenn sie positiv getestet sind, einen Ct-Wert größer 30 (wenig infektiös, Anm.) haben, aber symptomlos sind“, sagte Juristin Silvia Rosoli von der Wiener Arbeiterkammer. Der Ct-Wert gibt nach PCR-Tests den Grad der wahrscheinlichen Infektiosität des Betroffenen zum Zeitpunkt des Tests an.

Mit positivem Test in die Arbeit

In der Covid-19-Notverordnung findet sich in Paragraf 10 (Alters-, Pflege- und Behindertenheime) sowie in Paragraf 11 (Krankenanstalten) folgende Bestimmung: Prinzipiell müssen Bedienstete einmal pro Woche per Antigen- oder PCR-Test untersucht werden und ein negatives Testergebnis aufweisen.

Doch dann heißt es weiter: „Im Fall eines positiven Testergebnisses kann das Einlassen (in die Arbeitsstelle, Anm.) abweichend davon dennoch erfolgen, wenn (1) jedenfalls mindestens 48 Stunden Symptomfreiheit vorliegen und (2) aufgrund der medizinischen Laborbefunde, inbesondere aufgrund des Ct-Werts größer 30, davon ausgegangen werden kann, dass keine Ansteckungsgefahr mehr besteht.“

Rosoli: „Das kann dazu führen, dass Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, bevor Symptome auftreten und bevor ein Absonderungsbescheid vorliegt, zur Arbeit gerufen werden können. Damit gefährden sie nicht nur sich selbst, sondern Kollegen, Patienten und Bewohner. Vor allem am Beginn der Erkrankung ist man oft symptomfrei, aber hoch ansteckend. Absonderungsbescheide kommen in der Regel erst nach einem positiven Testergebnis.“

Vorliegen eines Absonderungsbescheids und Ablauf der Absonderungsfrist müssten ebenfalls vorgeschrieben werden.

 

Hier zum vollständigem ORF Bericht

Presseaussendung Offensive Gesundheit: Aktionstag der Gesundheitsberufe

„Beschäftigte im Gesundheits- und Pflegesystem sind keine Superhelden, keine übermenschlichen Wesen, sondern Menschen, die unter schwersten Bedingungen das tun,
wofür sie ausgebildet wurden. Sie sorgen sich dabei um ihre Patientinnen und Patienten, ihre Familien, aber auch um sich selbst und lehnen Heldenrhetorik ab“,
so Susanne Jonak, Vorsitzende der younion, die Daseinsgewerkschaft, Hauptgruppe II.
„Gerade die politischen Verantwortlichen wissen, dass Applaus allein keine Gesundheit schafft. Sie müssen jetzt handeln und mit uns gemeinsam die Forderungen der ‚Offensive Gesundheit‘ umsetzen.“

 

29. Oktober 2020 im Zeichen des europäischen Gesundheits- und Pflegewesens – Bewusstseinsschaffung für Probleme abseits von COVID-19 – „Ende des Heldenepos“

Die Heldinnen und Helden im Gesundheits- und Pflegesystem brennen langsam aus. Deswegen fordert die European Public Services Union (EPSU) höhere Gehälter, mehr Personal und eine allen zugängliche Qualitätsmedizin. Morgen, Donnerstag, soll ein europaweiter Aktionstag der Gesundheitsberufe unter dem Motto „Fighting for health and care beyond the pandemic“ stattfinden und damit auf die Probleme im Gesundheits- und Pflegewesen über die Corona-Pandemie hinaus aufmerksam machen.

Die Vertreterinnen und Vertreter der „Offensive Gesundheit“ zeigen sich dabei solidarisch mit den Forderungen der EPSU und rufen auch die österreichische Bundesregierung auf, sich den Herausforderungen im österreichischen Gesundheits- und Pflegesystem „besser heute als morgen“ zu stellen, „denn auch die Heldinnen und Helden in Österreich sind am Ende des Tages nur Menschen“.

„Gerade die jüngsten Diskussionen zum Budget und möglichen fehlenden Investitionen in den Spitälern haben gezeigt, dass wir sehr genau der Regierung auf die Finger schauen müssen, wenn es um Gesundheit geht“, erklärt die Offensive. Man habe vor Kurzem mit der „Roadmap Gesundheit 2020“ Gesundheitsminister Rudi Anschober ein nützliches Werkzeug zur Verfügung gestellt, damit man Österreich sicher durch diese und zukünftige Gesundheitskrisen navigieren kann.

„Am Ende muss aber der Steuermann auch der Karte folgen, um ans Ziel zu gelangen“, erklärt Wolfgang Weismüller, Obmann der Kurie angestellte Ärzte und Vizepräsident der Ärztekammer für Wien, den Sinn der Roadmap und meint: „In den Spitälern, die auch die schwersten Fälle der Pandemie heilen sollen, gerade jetzt budgetär zu kürzen, ist definitiv der falsche Weg.“ Was man rasch benötigt sind für Weismüller Planungssicherheit, mehr Personal und damit auch mehr Investitionen.

Renate Anderl, Präsidentin der Arbeiterkammer Wien, appelliert an die politisch Verantwortlichen: „Es gibt keinen Spielraum und keine Zeit mehr! Wie in vielen anderen Bereichen brauchen wir bei der Verbesserung der Arbeits- und Ausbildungsbedingungen für die Gesundheitsberufe deutlich mehr Tempo. Das ist eine wichtige Grundlage für das Funktionieren unserer Gesellschaft – das haben wir durch die Pandemie leider eindrucksvoll erlebt. Die österreichische Bundesregierung setzt hier die falschen Prioritäten, zuletzt auch im vorgelegten Budget. 130 Millionen Euro weniger für die Spitäler – so wird die viel zitierte Pflegeoffensive nicht gelingen. Die Beschäftigten der Gesundheits- und Pflegeberufe und die Patientinnen und Patienten haben sich Besseres verdient.“

„Anerkennender Applaus ist nicht genug“

Auch Reinhard Waldhör, Vorsitzender der GÖD-Gesundheitsgewerkschaft, sieht nicht nur in der Corona-Krise eine absolute Zerreißprobe für die Kolleginnen und Kollegen im Gesundheitsdienst: „Der anerkennende Applaus für die wichtige Arbeit ist schön und gut, aber auch unsere ‚Heldinnen und Helden’, die sich Tag und Nacht für das Leben anderer einsetzen, sind an den Grenzen ihrer menschlichen Belastbarkeit gelangt. Wer auch in Zukunft dringend benötigte und hoch qualifizierte Fachkräfte gewinnen und im Beruf halten will, muss jetzt investieren. Es liegt an den politischen Verantwortlichen sowie an den Dienstgebern, unsere bereits übermittelten Umsetzungsvorschläge zur Verbesserung der Ausbildungsmöglichkeiten so rasch wie möglich umzusetzen.“

Barbara Teiber, Vorsitzende der Gewerkschaft GPA-djp: „Politik ist dazu da, das Leben der Menschen zu verbessern. Im Gesundheitswesen erleben wir aber das Gegenteil: Für die Beschäftigten wird ihre Arbeit immer anstrengender. Personal fehlt, der Leistungsdruck steigt und Zeit für Patientinnen und Patienten fehlt. Pflege und Betreuung sind körperliche und emotionale Schwerstarbeit und gleichzeitig Grundgerüst unserer Gesellschaft. Entsprechend sollte die Politik handeln.“

„Unser Gesundheitswesen steht ja nicht erst seit der Corona-Krise kurz vor dem Kollaps“, stellt Josef Zellhofer, Vorsitzender der ÖGB/ARGE- Fachgruppenvereinigung für Gesundheits- und Sozialberufe, fest. „Bereits davor waren viele Kolleginnen und Kollegen an der Grenze ihrer Belastbarkeit und die letzten Monate haben eindrucksvoll gezeigt, dass es so wirklich nicht mehr weitergehen kann. Wir sagen es seit Jahren, aber wir brauchen wirklich dringend mehr Personal und darüber hinaus eine grundlegende Ausbildungsreform und Arbeitsbedingungen, die nicht nur die ausschließliche Versorgung von Patientinnen und Patienten sowie Klientinnen und Klienten ermöglichen, sondern auch Raum für das Menschliche lassen!“

Mehr Personal und bessere Arbeitsbedingungen notwendig

„Das neue Gesundheitsbudget der Regierung zeigt auf, dass dem Gesundheitssystem Gelder entzogen werden. Gelder, die in der Pflege und in den Krankenhäusern fehlen. Dem Klatschen folgen jetzt Einsparungen, da fehlt auch die Wertschätzung gegenüber dem Personal“, kritisieren Sylvia Gassner, Vorsitzende des Fachbereichs Soziale Dienste in der Gewerkschaft vida, und Gerald Mjka, Vorsitzender des vida-Fachbereichs Gesundheit. Beide fordern daher zusätzliche Budgetmittel, um Umschulungen in Pflege- und Gesundheitsberufe attraktiver zu machen. „Zudem muss endlich eine „Pflegestrategie für den Ausbau der Ausbildung und der Bedarfsdeckung beim Personal her“, so Mjka und Gassner.

„Beschäftigte im Gesundheits- und Pflegesystem sind keine Superhelden, keine übermenschlichen Wesen, sondern Menschen, die unter schwersten Bedingungen das tun, wofür sie ausgebildet wurden. Sie sorgen sich dabei um ihre Patientinnen und Patienten, ihre Familien, aber auch um sich selbst und lehnen Heldenrhetorik ab“, so Susanne Jonak, Vorsitzende der younion, die Daseinsgewerkschaft, Hauptgruppe II. „Gerade die politischen Verantwortlichen wissen, dass Applaus allein keine Gesundheit schafft. Sie müssen jetzt handeln und mit uns gemeinsam die Forderungen der ‚Offensive Gesundheit‘ umsetzen.“

Die „Offensive Gesundheit“ stehe nach wie vor dem Gesundheitsminister und allen politisch Verantwortlichen für die Probleme des Gesundheits- und Pflegsystems „jederzeit zur Verfügung“. „Gemeinsam können wir rascher und effizienter Lösungen finden und mit der in die falsche Richtung gegangenen Heldensaga der hart im Gesundheits- und Pflegewesen tätigen Menschen aufräumen“, so die Offensive abschließend.

Presseaussendung younion: Applaus ist nicht genug!

KollegInnen im Gesundheits- und Pflegesystem verdienen mehr!

Mit 26. Oktober startet der Europäische Gewerkschaftsverband für den Öffentlichen Dienst (EGÖD) eine europaweite Aktionswoche unter dem Motto „Applaus ist nicht genug“. Gemeinsam leisten die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Gesundheits- und Pflegesystem alles Menschenmögliche, um die Pandemie zu bekämpfen und alle anderen Aufgaben die täglich im Gesundheitsbereich notwendig sind zu erledigen. „Wir lehnen Austeritätsmaßnahmen wie die Kürzung des EU4health-Programms von 9,4 Milliarden auf 1,7 Milliarden EUR ab und fordern die angemessene Finanzierung für unsere öffentlichen Gesundheits- und Pflegesysteme“, sagt Jan Willem Goudriaan, EPSU-Generalsekretär.

„Klatschen zahlt keine Miete“

„Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Gesundheits- und Pflegewesen stehen tagtäglich unter enormem Druck und hohem Ansteckungsrisiko. Sie brauchen mehr Ressourcen um ihre Arbeit in hoher Qualität ausüben zu können. Wir brauchen eine Aufstockung des Personalstands damit mehr Zeit am Patienten und weniger Stress entstehen, die Ausstattung mit allen notwendigen Schutzausrüstungen und entsprechende Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen. Es braucht aber auch eine Attraktivierung durch angemessene Entlohnung. Klatschen alleine hilft da nicht weiter und zahlt auch keine Miete“, erklärt Thomas Kattnig, EGÖD Vize-Präsident und Mitglied des Bundespräsidiums der younion _ Die Daseinsgewerkschaft.

In ganz Europa ist ein rapider Anstieg der Infektionszahlen zu beobachten. Wieder müssen Gewerkschaften feststellen, dass ein Mangel an Schutzausrüstung, Material und Personal es erschwert, der zweiten Welle standhalten zu können. Zusätzlich dazu fühlen sich viele ArbeitnehmerInnen immer noch erschöpft, nachdem die erste Welle mit Müh und Not überstanden wurde.

EGÖD-Generalsekretär Jan Willem Goudriaan: „Der EGÖD und seine Mitgliedsorganisationen rufen die Europäische Union und die nationalen Regierungen dazu auf, Schutzausrüstungen für das Personal in allen Krankenhäusern, Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen zur Verfügung zu stellen. Wir beim EGÖD setzen uns für starke öffentliche Gesundheits- und Pflegesysteme ein, die auf diese und künftige Pandemien besser reagieren können.“

Kürzung der Spitalsfinanzierung grotesk

„Es ist geradezu grotesk, dass der österreichische Finanzminister in seinem Budgetvoranschlag für 2021 die Spitalsfinanzierung um 130 Millionen Euro kürzen will! Das kann nicht die Antwort auf diese Gesundheitskrise sein und vor allem nicht die Antwort an die Kolleginnen und Kollegen im Gesundheits- und Pflegebereich. Gute Gesundheitsversorgung darf keine Frage des Geldes sein“, stellt Kattnig abschließend fest.

Presseaussendung younion-Meidlinger: Wiener Sozialpartnerschaft startet wieder durch

Stadt investiert 600 Millionen Euro: Turbopaket kurbelt die Wirtschaft an

„Leider schläft die Bundesregierung weiter in der Pendeluhr. In Wien schlagen die Uhren zum Glück anders. Die Stadt lebt das Modell einer erfolgreichen Sozialpartnerschaft und investiert im Kampf gegen die wirtschaftlichen Corona-Folgen zusätzliche 600 Millionen Euro in die kommunale Daseinsvorsorge und die technische und soziale Infrastruktur“, erklärte heute, Donnerstag, der Vorsitzende der younion _ Die Daseinsgewerkschaft, Christian Meidlinger.

„Von selbst wird die Wirtschaft nicht wieder anspringen. Da muss eine verantwortungsvolle Politik schon Geld in die Hand nehmen und in die Zukunft investieren. Das hat die Stadt Wien erkannt und stellt die notwendigen Mittel zur Verfügung“, sagte Meidlinger. Allein 156 Millionen Euro fließen in den wichtigen Bereich Bildungsinfrastruktur und Kindergärten. „Während der Bund seit Jahren nicht einmal ein einheitliches Bundesrahmengesetz für die österreichischen Kindergärten zusammenbringt, entstehen durch das Wiener Investitionspaket insgesamt rund 100 neue Klassen und 30 neue Kindergartengruppen“, sagte Meidlinger.

Dass Wien zusätzlich zum jährlichen Investitionsvolumen von rund zwei Milliarden Euro ein 600 Milliones schweres Turbopaket für Bildung, Soziales, Sportstätten, öffentlichen Verkehr und Infrastruktur auf den Weg bringt, ist ein Erfolg der Sozialpartnerschaft. Das schafft Arbeit und Wertschöpfung und ist gesellschaftlich wertvoll. Meidlinger: „Als Vertretung der Wiener ArbeitnehmerInnen finden wir bei Bürgermeister Michael Ludwig stets ein offenes Ohr und Gesprächsbereitschaft. Die Verhandlungen sind nicht immer einfach, aber immer von Fairness getragen. Mogelpackungen wie das viel zu schwach dimensionierte Hilfspaket für die österreichischen Städte und Gemeinden, für das sich Kurz, Blümel und Co gegenseitig auf die Schulter klopfen, wird man in Wien nicht finden.“

Presseaussendung Offensive Gesundheit: Roadmap Gesundheit 2020

„Offensive Gesundheit“ überreichte Anschober Vorschläge für Reformen

„Roadmap Gesundheit 2020“ enthält Umsetzungsvorschlägen für ein zukunftssicheres Systems für Gesundheit und Langzeitpflege

Offensive Gesundheit

Das Sozialministerium und die von Gewerkschaften, Arbeiter- und Ärztekammer gebildete „Offensive Gesundheit“ haben ihren vor zweieinhalb Monaten gestarteten Strukturdialog abgeschlossen. Die daraus entstandene „Roadmap Gesundheit 2020“ mit Umsetzungsvorschlägen für die Schaffung eines zukunftssicheren Systems für Gesundheit und Langzeitpflege wurde Minister Rudolf Anschober (Grüne) am späten Montagnachmittag übergeben.

Inhaltlich konzentrieren sich die Ergebnisse auf die großen systemrelevanten Themen Personalbedarf, Arbeitsbedingungen und Ausbildung. Zum ersten Punkt wird in der Roadmap festgehalten, dass die Erarbeitung eines österreichweit verbindlichen, transparenten und bedarfsorientierten Personalbemessungsmodells umgehend gestartet werden müsse. Da die Entwicklungsarbeit einige Jahre in Anspruch nehmen wird, müssten zur unmittelbaren Entlastung der Beschäftigten im Gesundheitswesen und der Langzeitpflege Sofortmaßnahmen im Personaleinsatz umgesetzt werden. So dürfe es etwa pro Zuständigkeitsbereich keine Nachtdienste alleine geben und in der mobilen Pflege sollten die Fahrtzeiten einberechnet werden.

Zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen wird in dem der APA vorliegenden Papier die Planbarkeit und Verlässlichkeit der Arbeitszeit eingefordert. Die Kontrollen in den Gesundheits- und Langzeitpflegeeinrichtungen sollten von spezialisierten Arbeitsinspektoren durchgeführt werden und die Beschäftigten sollten einen erleichterten Zugang zur Schwerarbeiterpension bekommen.

In Sachen Ausbildung enthält das Papier die Forderung nach kostenfreien Aus- und Fortbildungen. Praktika sollten bezahlt werden und die Deckung des Lebensunterhalts während des zweiten Bildungswegs müsse existenzsichernd sein.

 

Sozialminister Anschober sicherte den Vertretern der „Offensive Gesundheit“ zu, dass die Ergebnisse des Dialogs in die geplante Pflegereform einfließen werden. Er betonte, dass Österreich „eines der besten Gesundheits- und Pflegesysteme der Welt“ habe. Dieses gelte es zu bewahren, auszubauen und in einzelnen Bereichen die Qualität weiter zu verbessern. „Damit dies gelingt, braucht es jetzt die richtigen Rahmenbedingungen. Die Weichen dafür stellen wir im gemeinsamen Dialog mit den Institutionen, InteressensvertreterInnen und Betroffenen.“

Für Arbeiterkammer-Präsidentin Renate Anderl enthält die Roadmap „auf beeindruckende Weise eine Sammlung von abgestimmten Forderungen aller in der Kooperative beteiligten Institutionen, die es ermöglichen, die längst überfälligen Reformen rasch voranzutreiben“. ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian sieht in dem Papier einen „klaren Handlungsauftrag für die Politik“, den der ÖGB unterstützt. Ärztekammer-Präsident Thomas Szekeres bezeichnete die Roadmap als ein Bekenntnis, was Österreich derzeit brauche, denn nur gemeinsam könne die Gesundheitsversorgung in Österreich weiterhin bestens sichergestellt werden.

Für alle Beteiligten steht jedenfalls fest: „Um für die österreichische Bevölkerung ein gutes Gesundheits- und Langzeitpflegesystem zu erhalten und auszubauen, braucht es Planungssicherheit, ausreichend Personal und gute Arbeits- und Rahmenbedingungen. Aufgrund der enorm wachsenden Anforderungen und drohenden Überlastung des Gesundheitssystems und der Langzeitpflege – nicht nur in Corona-Zeiten – sind fundierte Lösungen dringend notwendig.“ Die Roadmap sei dafür eine gute Grundlage.

>>JETZT DIE ROADMAP 2020 RUNTERLADEN!<<

Siehe auch:

Presseaussendung younion – Meidlinger: Nach Verhandlungen mehr als 1.000 neue Stellen im Gesundheitsbereich

„Die Daseinsvorsorge funktioniert auch während der Coronakrise tadellos. Dank des Wiener Wegs der Sozialpartnerschaft werden Engpässe beim Personal laufend besprochen und in Verhandlungen behoben. Die Stadt Wien stellt jetzt mehr als 1.000 neue Stellen zur Verfügung“, sagte heute, Mittwoch, der Vorsitzende der Daseinsgewerkschaft younion, Christian Meidlinger.

„Ohne die großartigen Leistungen der Beschäftigten wäre das Alltagsleben in der Stadt nicht zu bewältigen. Jetzt bekommen die ArbeitnehmerInnen der Daseinsvorsorge weitere Unterstützung“, erklärte Meidlinger. Besonders hervorzuheben ist der Personalzuwachs in zwei durch Corona extrem geforderten Bereichen:

Bei der MA 15 – Gesundheitsdienste kommen 150 ArbeitnehmerInnen zusätzlich, um die Bescheidausfertigung und die Beantwortung von Anfragen zu beschleunigen.

Die MA 70 – Rettung wird mit 75 Personen verstärkt um das hohe Niveau der Versorgung in Wien aufrecht zu erhalten.

„Bei Bürgermeister Michael Ludwig finden wir als Gewerkschaft immer ein offenes Ohr und Gespächsbereitschaft. Die vereinbarten Lösungen mit zusätzlichem Personal in den Bereichen des Gesundheitsverbundes und beim Contact Tracing stellen sicher, dass Wien die Krise weiterhin meistert. Am Wiener Weg der gelebten Sozialpartnerschaft könnte sich die Bundesregierung ein Beispiel nehmen“, schloss Meidlinger.