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Gehaltsverhandlungen für 2022 abgeschlossen

Mit 01. Jänner 2022 steigen die Bezüge im Durchschnitt um drei Prozent.

Liebe Kollegin, lieber Kollege!

Am 2. Dezember konnten wir mit der Bundesregierung die Gehaltsverhandlungen für das Jahr 2022 abschließen. Wir einigten uns auf eine Erhöhung mit sozialer Staffelung. Die geringeren Bezüge werden um 3,22 Prozent und die höheren Bezüge um 2,91 Prozent angehoben. Die Zulagen und Nebengebühren steigen um drei Prozent.

Die Gemeinde Wien hat dieses Ergebnis nun übernommen. Im Detail bedeutet das:

  • Die Gehälter der Beamtinnen und Beamten der Gemeinde Wien und die Gehälter der in einem vertraglichen Dienstverhältnis stehenden Bediensteten der Gemeinde Wien werden (unter Beachtung bestehender Vereinbarungen und soweit keine andere Art der Valorisierung vorgesehen ist) mit Wirksamkeit vom 1. Jänner 2022 um 2,85 % und danach um 6,40 Euro erhöht. In Verordnungen oder Gesetzen vorgesehene zusätzliche Gehaltsbestandteile werden mit Wirksamkeit vom 1. Jänner 2022 um 2,85 % erhöht.
  • Die ruhegenussfähigen Zulagen, Nebengebühren und Vergütungen, die in einem Gesetz oder in einer Verordnung in Eurobeträgen ausgedrückt sind, werden (unter Beachtung bestehender Vereinbarungen und soweit keine andere Art der Valorisierung vorgesehen ist) mit Wirksamkeit vom 1. Jänner 2022 um 3 % erhöht.
  • Die sich aus Punkt 1 ergebende Erhöhung des Gehalts der Gehaltsstufe 2 der Dienstklasse V des Schemas II wird für den Anwendungsbereich des § 4 Abs. 2 RVZG 1995 sowie für den Anwendungsbereich des § 19 Abs. 4 und des § 25 Abs. 4 UFG 1967 einvernehmlich mit 3 % festgelegt.
  • Die in § 89 Abs. 1 und 5 W-BedG sowie in § 112 Abs. 1 W-BedG geregelten Beträge werden mit Wirksamkeit vom 1. Jänner 2022 um 3 % erhöht.
  • Abweichend von Punkt 2 werden die in Nebengebühren- und Vergütungsregelungen vorgesehenen Tagessätze, die der steuerfreien Entgeltart „Tagesgeld“ zuzurechnen sind, mit Wirksamkeit vom 1. Jänner 2022 nicht erhöht.

Die für die Verhandlungen relevante Inflation (Oktober 2020 bis September 2021) wurde durch Wirtschaftsexperten mit 2,1 % errechnet und durch die Bundesregierung und younion _ Die Daseinsgewerkschaft außer Streit gestellt.

Das Besoldungsabkommen wurde durch younion-Vorsitzenden Christian Meidlinger und Stadtrat Jürgen Czernohorszky bereits unterschrieben.

Wir bedanken uns für die Unterstützung!

Christian Meidlinger zur erfolgreichen Gehaltsverhandlung 2022.

 

Presseaussendung: Ist eine Zwangsmaßnahme wirklich ihre Antwort auf den Hilferuf des Gesundheits- und Pflegepersonals, Minister Mückstein?

Die Ankündigung der Impfpflicht für das Gesundheitspersonal durch Minister Wolfgang Mückstein am vergangenen Freitag kam überraschend und völlig entgegen jeder Kommunikation der vergangenen Wochen. Die beiden größten zuständigen Gewerkschaften reagieren nun scharf.

Für Edgar Martin, Vorsitzender Hauptgruppe II in der younion _ Die Daseinsgewerkschaft, und Reinhard Waldhör von der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD), ist eine freiwillige, 100%ige Durchimpfungsrate beim Gesundheitspersonal wünschenswert, aber derzeit aus mehreren Gründen nicht zu erreichen.

„Aktuell ist die Impfrate in diesem Bereich schon hoch, aber viele den noch nicht Geimpften sagen, sie warten auf den Todimpfstoff. Andere hatten bei den beiden vorangegangenen Impfungen Nebenwirkungen und zeigen sich nun skeptisch. Aber auch vielen bereits Geimpften stößt sauer auf, dass man das Gesundheitspersonal nun wie Soldaten in einen Krieg schicken möchte – nach dem Motto: ihr habt ja eine besondere Verpflichtung dazu. Während manche politische Verantwortungsträger die Stimmung weiter aufheizen können und so die Impfrate in der Gesamtbevölkerung weiter niedrig halten, will man nun mit Zwang das Gesundheitspersonal verpflichten. Damit ist das Recht auf Selbstbestimmung dahin. Das Personal soll retten und als moralisches Beispiel fungieren“, erklären Reinhard Waldhör und Edgar Martin.

Und weiter: „Am Mittwoch haben unsere Kolleginnen und Kollegen in Spitälern und Pflegeheimen mit der Aktion ‚5nach12‘ die größte, bundesweite Protestaktion der Beschäftigten im Gesundheit-, Pflege und Sozialbereich der zweiten Republik veranstaltet. Tausende Beschäftigte verwiesen durch einen ‚Walk-out‘ auf ihre Arbeitssituation, den eklatanten Personalmangel und stellten sich hinter die Forderungen nach mehr Personal, eine Ausbildungsoffensive und einer fairen Bezahlung.“

Die sofortige Antwort des Ministers war zu diesem Zeitpunkt eine Bitte durchzuhalten. Zwei Tage später kam als Reaktion nicht der verlangte Gesprächstermin, sondern die Ankündigung einer Impfpflicht für das Gesundheits- und Pflegepersonal!

Reinhard Waldhör und Edgar Martin: „Am meisten ärgert uns die Vorgehensweise, das Nicht-Kommunizieren. Dem betroffenen Gesundheitspersonal wird etwas vor die Füße geworfen und dann taucht man ins Wochenende ab. Jene, die seit 2 Jahren alles gegeben haben und sich von Welle zu Welle schleppen, bleiben mit dem Gefühl zurück wieder einmal nicht wahrgenommen zu werden. Die Menschen in den Gesundheits- und Pflegeberufen habe das chaotische COVID Management auszubaden.“

Das Ergebnis einer schnellen Online-Umfrage am Wochenende mit rund 1.500 TeilnehmerInnen verwundert daher nicht. Zwei Drittel der Befragten sprechen sich gegen eine Impfpflicht beim Gesundheitspersonal aus.

„Da waren mit Sicherheit geimpfte MitarbeiterInnen beteiligt. Es zeigt nur, dass Zwang nie die richtige Lösung sein kann. Wir wissen jetzt schon, dass uns einige genau deswegen verlassen werden. Das hat auch das Beispiel Italien gezeigt, rund 5% haben das Gesundheits- und Pflegesystem verlassen.“

Aber genau hier liegt der Unterschied zu Soldaten. „Es ist eben die letzte Möglichkeit sich selbstbestimmt der Impfpflicht und dem Zwang entgegenzustellen. Wer uns verlässt ist nicht fahnenflüchtig. Aber jede einzelne Fachkraft fehlt und werden wir noch schmerzlich bereuen. Bei einer ähnlichen Rate in Österreich wären wir aktuell am Ende“, so Waldhör und Martin abschließend.

DEMO FÜR GESUNDHEITSREFORMEN!

Protestmarsch der Jugend am 9.11.2021 um 13.30 Uhr in Wien

Den Auszubildenden in der Gesundheits- und Krankenpflege (PA/PFA/DGKP) und der medizinisch, therapeutischen und diagnostischen Gesundheitsberufe (MTDG) reichts! Sie gehen auf die Straße!

WANN: DIENSTAG, 9.11.2021, 13:30 UHR
TREFFPUNKT: WIEN MITTE „THE MALL“ (LANDSTRASSER HAUPTSTRASSE)

Unter dem Motto „Gesundheitskollaps – Und die Bundesregierung schaut zu“ fordern die YOUNG younion, die Junge GÖD, die Jugend der Gewerkschaft gpa und die Jugend der Gewerkschaft vida lautstark Reformen ein. Es braucht unter anderem:

  • Mehr Ausbildungsplätze im Bereich der Pflege und der MTDG
  • Anreize für Quereinsteiger*innen (Implacementstiftung, …)
  • Pflege mit Matura (Ausbau des BHS Modells)
  • Stipendiensysteme (Zugang zu FKS erleichtern)
  • Finanzielle Entschädigung während der Ausbildung (in Theorie und Praxis ) für ALLE Auszubildenden in den Gesundheitsberufen
  • Transparenten und berufsbegleitenden Zugang zum Bachelorstudium in der Gesundheits- und Krankenpflege (PFA DGKP)
  • Flächendeckende Adaptierungen der Rahmenbedingungen
  • Eine einheitliche Personalbedarfsberechnung
  • Dienstplanverlässlichkeit und –flexibilität
  • Die lange versprochene Bonuszahlung – für ALLE Mitarbeiter*innen im Gesundheitssystem (einschließlich Auszubildenden und den Kolleg*innen in den Blaulichtorganisationen)

Sarah Kroboth, Referentin für alle in Ausbildung in der Hauptgruppe II in der younion _ Die Daseinsgewerkschaft: „Wir wollen nicht länger zusehen, wie die Bundesregierung durch ihr Nichtstun das Gesundheitssystem in den Kollaps führt. Die längst überfällige Pflegereform ist in den Schubladen verschwunden. Die einzigen Ideen, die am Tisch liegen, sind absurd. Das ist zum einen die Pflegelehre und zum anderen das ‚Fachkräfterauben‘ aus anderen Ländern. Das funktioniert einfach nicht.“

„Die Bundesregierung muss endlich auf die Betroffenen hören und unsere Forderungen schleunigst umsetzen!“  Edgar Martin, Vorsitzender der Hauptgruppe II

Der Protestmarsch startet bei Wien Mitte und führt über das Gesundheits- und Finanzministerium zum Heldenplatz, wo eine Abschlusskundgebung stattfindet. Auch die Jugendabteilungen der GÖD, der Gewerkschaft gpa und der Gewerkschaft vida mobilisieren ihre Mitglieder.

Edgar Martin, Vorsitzender der Hauptgruppe II: „Meine Kolleg*innen in Ausbildung sind die, die später alles ausbaden müssen, was die Bundesregierung jetzt fahrlässig unterlässt. Ich lade alle Kolleg*innen aus den Gesundheitsberufen ein, sich dem Protestmarsch anzuschließen. Die Bundesregierung muss endlich auf die Betroffenen hören und unsere Forderungen schleunigst umsetzen!“

ACHTUNG: Bei der Demo gilt die 2,5G-Regel (geimpft, genesen oder PCR-getestet). Während der Demo ist bitte permanent eine FFP2 Maske zu tragen – vor allem wenn der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann!

Folder „Gesundheitskollaps – Und die Bundesregierung schaut zu!“ (PDF, 1 MB)

younion _ Die Daseinsgewerkschaft distanziert sich ausdrücklich von allen Formen des rechten Gedankengutes!

Berufskrankheit – Covid-19-Erkrankung unbedingt melden!

Meldepflicht einer möglichen Berufskrankheit durch das Coronavirus!

Infektionskrankheiten – und damit auch COVID19 – können, wenn sie durch Ausübung der Beschäftigung verursacht sind, als Berufskrankheit anerkannt werden. Bei Verdacht auf eine Berufskrankheit durch Infektion mit dem Coronavirus sind jedenfalls Fälle zu melden, in denen ein positiver Labortest vorliegt und der Verdacht auf einen beruflichen Zusammenhang gegeben ist.

Infobox
Wann Covid als Berufskrankheit anerkannt werden kann:
-) Die Ansteckung muss mit hoher Wahrscheinlichkeit bei der Arbeit passiert sein.
-) Sie muss in einem Unternehmen passiert sein, in dem ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht: u.a. Krankenhaus, Kuranstalt, Pflegeheim, Apotheke, Schule, Kindergarten, Justizanstalt.
-) Es muss ein (formloser) Antrag bei der Unfallversicherung gestellt werden.

 

Die Meldung kann sowohl von der Dienststelle, als auch vom zuständigen Arzt, an die dafür vorgesehenen Stellen übermittelt werden. Kommt die Meldung von der Dienststelle ist diese im Zuge des Dienstweges an die MA2 zu übermitteln.  

  • Bei Beamtinnen und Beamten ist die Meldung an das Unfallfürsorgereferat der MA2 zu übermitteln. (Formular der AUVA oder der BVAEB verwenden)
  • Bei Vertragsbediensteten, mit Diensteintritt vor 01.01.2001, ist die Meldung an die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA) und nachrichtlich an das Referat besondere sozialversicherungsrechtliche Angelegenheiten der MA2 zu übermitteln. (Formular der AUVA verwenden)
  • Bei Vertragsbediensteten, mit Diensteintritt nach 31.12.2000 (sowie bei Lehrlingen), ist die Meldung an die Versicherungsanstalt öffentlicher Bediensteter, Eisenbahnen und Bergbau (BVAEB) und nachrichtlich an das Referat besondere sozialversicherungsrechtliche Angelegenheiten der MA2 zu übermitteln. (Formular der BVAEB verwenden)

Die Beurteilung, ob eine Berufskrankheit vorliegt, obliegt bei Vertragsbediensteten dem Unfallversicherungsträger bzw. bei Beamtinnen und Beamten der MA2.

Bitte verwenden Sie für die Meldung die Formulare des jeweiligen Unfallversicherungsträgers.

An wen können Rückfragen in Unfallfürsorgeangelegenheiten und im Zusammenhang mit Meldungen eines Dienst- bzw. Arbeitsunfalls oder einer Berufskrankheit gerichtet werden?

  • Beamtinnen und Beamte: Für Rückfragen steht das Referat Unfallfürsorge der MA2, unter01/4000/94411 und 01/4000/94413, als Ansprechstelle zur Verfügung
  • Vertragsbedienstete und Lehrlinge: Rückfragen können an das Referat Pensionsservice und sozialversicherungsrechtliche Angelegenheiten der MA2, unter 01/4000/94214 und 01/4000/94213, gerichtet werden.

Wir rechnen mit einigen unklaren Fällen bzw. Ablehnungen, die eventuell rechtlich ausjudiziert werden müssen. In diesen Fällen steht unseren Gewerkschaftsmitgliedern natürlich die kostenlose Rechtsvertretung der younion_Die Daseinsgewerkschaft zur Verfügung.

Corona-Bonus: Viele haben sie verdient, wenige sollen sie bekommen

Gewerkschaften üben harte Kritik: „Wen wollen Sie ausschließen, Herr Kanzler?“

„Wir haben für die Corona-Prämie hart gekämpft. Dass einzelne Berufsgruppen der Gesundheitsberufe ihre 500 Euro jetzt endlich bekommen sollen, ist ein großer Erfolg. Aber viel mehr ArbeitnehmerInnen haben sich diese Anerkennung verdient, die Regierung darf diese hervorragenden Leistungen nicht einfach ignorieren“, forderten heute, Dienstag, die Gewerkschaften younion, vida, GPA und GÖD im Namen ihrer Mitglieder.

„Die Willkür bei der Auszahlung der Corona-Prämie ist Atmen beraubend. Auf einer Spitalsstation sind die 500 Euro genehmigt, die KollegInnen nebenan sollen leer ausgehen. Das werden wir nicht hinnehmen. Spitäler und Pflegeeinrichtungen sind eine Einheit, sämtliche Beschäftigten haben zur Bewältigung der Pandemie beigetragen und haben sich Anerkennung verdient“, stellte Edgar Martin, Vorsitzender der Hauptgruppe II – Wiener Gesundheitsverbund in der younion _ Die Daseinsgewerkschaft klar.

„Wer alte Menschen pflegt und betreut, soll 500 Euro bekommen. Wer sich um Behinderte kümmert, nicht. Das ist absolut nicht nachvollziehbar“, sagt Mario Ferrari, Geschäftsführer der GPA Wien: „Viele Berufsgruppen, etwa auch die Wohnungslosenhilfe oder die Sucht- und Drogenberatung leisten seit Pandemiebeginn Unglaubliches. Jetzt den Gesundheits- und Sozialbereich zu spalten ist unredlich.“

Ferrari führt aus: „Der Finanzminister soll ausreichend Geld zur Verfügung stellen um allen Heldinnen und Helden der Krise Wertschätzung zu zeigen. In den allermeisten Fällen fließt das Geld über Konsum sofort in den Wirtschaftskreislauf zurück und fördert den heimischen Handel. Diese Maßnahme wäre also nicht nur gerecht, sondern kurbelt außerdem die heimische Wirtschaft an.“

„Gerade auch die Kolleginnen und Kollegen bei den Rettungs- und Krankentransporten haben ihr Leben bei der Pandemiebekämpfung riskiert. Sie waren in jedem Spital, in jeder Pflegeeinrichtung und auch oft in den Wohnungen von Infizierten“, betont Sylvia Gassner, Vorsitzende des Fachbereichs Soziale Dienste der Gewerkschaft vida und Betriebsrätin beim Roten Kreuz.

Mit wenig Verständnis reagiert auch Gerald Mjka, Betriebsrat im Krankenhaus Göttlicher Heiland Wien und stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft vida, auf den Gesetzesvorschlag. „So wie sich der Gesetzesvorschlag liest, schaut es so aus, als hätte die Regierung nicht nur auf einzelne Berufsgruppen vergessen, sondern auf ganze Bereiche“, sagt der Gewerkschafter. Es würde zum Beispiel nicht nur Reinigungspersonal nicht berücksichtigt werden, sondern in privaten Krankenanstalten auch Pflegekräfte, die direkt am Patienten arbeiten. „Wir lassen uns aber nicht auseinanderdividieren. Alle Beschäftigten in Gesundheitseinrichtungen haben ihren Beitrag geleistet und sich daher den Bonus verdient“, schließt Mjka.

Reinhard Waldhör von der GÖD-Gesundheitsgewerkschaft: „Zu Beginn der Krise 2020 war kaum effektive Schutzausrüstung vorhanden. Die Kolleginnen und Kollegen aller Professionen haben waren sich ihrer ethischen Verantwortung bewusst und haben trotz des großen Infektionsrisikos ihre Aufgaben in allen Bereichen bestmöglich erfüllt. Und das waren nicht nur die unmittelbar medizinisch-, pflegerischen. Mund-Nasenschutz auch Stoff wurde genäht – heute 15 Monate später unvorstellbar, Desinfektionsmittel wurden selbst hergestellt.“

Innerhalb von wenigen Tagen haben die Teams der Technik ganze Eingangsbereiche von Krankenhäusern zu Sicherheitsschleusen umgebaut, es wurden Zugangskontrollen auf die Beine gestellt, die Labors fahren bis heute Sonderschichten, um die vielen Tests abarbeiten zu können. Waldhör: „Die Kolleginnen und Kollegen aus dem Verwaltungsbereich arbeiten bis jetzt ebenso in Hochrisikobereichen, nicht wenige haben sich im Dienst mit Covid19 infiziert und sind schwer erkrankt. Warum ausgerechnet diese Berufsgruppen vom Bonus ausgeschlossen werden sollen, erschließt sich uns nicht! Wir fordern eine faire Verteilung des Covid19-Bonus an alle, den auch zum Gelingen braucht es alle!“

Österreichweiter Protest um „fünf nach zwölf“ am 12. Mai

Gesundheitsberufe machen am Tag der Pflegenden gleichzeitig eine Minute Pause – „Wollen damit ein Signal setzen und Bewusstsein schaffen

Am Mittwoch, den 12. Mai 2021, dem Internationalen Tag der Pflegenden, ruft die „Offensive Gesundheit“, ein Verbund aus Arbeiter- und Ärztekammer sowie den Gesundheitsgewerkschaften, mehr als 400.000 Beschäftigte in den Gesundheitsberufe zu einer österreichweiten Protestaktion auf. Um exakt 12.05 Uhr („Fünf nach zwölf“) sollen alle gemeinsam eine Minute lang Pause machen und damit „die Welt des Pflege- und Gesundheitsbereiches für eine Minute stillstehen lassen“. Dokumentiert wird die Aktion jedes Einzelnen mit einem Foto, das man anschließend auf www.offensivegesundheit/5nach12.at hochladen kann. ****

„Wir sind nur so stark wie jeder Einzelne der 400.000 Beschäftigten, und diese wollen wir am 12. Mai 2021, dem Internationalen Tag der Pflegenden, vor den Vorhang holen“, so die Vertreterinnen und Vertreter der „Offensive Gesundheit“. Sie wollen mit der Fotoaktion allen Betroffenen einen Moment des Innehaltens ermöglichen und diesen gleichzeitig visualisieren, um ihn als Botschaft in die ganze Welt hinausgehen lassen zu können.

„Viele unserer Beschäftigten sind bereits jetzt körperlich und psychisch am Limit“, erklärt die „Offensive Gesundheit“, die damit auch auf jüngste Umfragen in den Berufsgruppen verweist: „Emotionale und körperliche Überlastung sind mittlerweile keine Ausnahme mehr, und wir müssen unsere Kolleginnen und Kollegen davor schützen. Wir brauchen also eine sofortige Entlastung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch mehr Investitionen, um rasch gegensteuern zu können.“

„Bereits vor der Krise litten die Kolleginnen und Kollegen im Gesundheits- und Pflegebereich unter massivem Personalmangel. Die Pandemie verstärkt diese Entwicklungen. Es braucht nicht noch mehr schöne Worte der Politik, sondern endlich eine adäquate Entlohnung, mehr Freizeit und dringend mehr Personal“, so die „Offensive“. Zusätzlich brauche es rasch „eine grundlegende Ausbildungsreform sowie Arbeitsbedingungen, die nicht nur die ausschließliche Versorgung von Patientinnen und Patienten und Klientinnen und Klienten ermöglichen, sondern auch Raum für das Menschliche lassen“.

Die Vertreterinnen und Vertreter der „Offensive Gesundheit“ wollen mit der Protestaktion ein Zeichen setzen und breites Bewusstsein für die angespannte Lage im Gesundheitsbereich in Österreich schaffen. Gerichtet ist die Aktion an alle politischen Verantwortlichen auf Bundes- sowie Landesebene, die für Verbesserungen und Entlastungen im Gesundheitssystem sorgen können. „Uns wurde viel in letzter Zeit versprochen, es ist nun an der Zeit, den Worten Taten folgen zu lassen“, so die „Offensive Gesundheit“ abschließend.

(S E R V I C E – Die „Offensive Gesundheit“ ist eine gemeinsame Initiative der Arbeiterkammer Wien, der Ärztekammer für Wien, der ÖGB / ARGE – FGV Gesundheits- und Sozialberufe sowie der Gewerkschaften GÖD-Gesundheitsgewerkschaft, Gewerkschaft GPA, Gewerkschaft vida und younion _ Die Daseinsgewerkschaft – Hauptgruppe II. Mehr Informationen und Details finden Sie unter www.offensivegesundheit.at/5nach12.)

Pflegereform muss rasch umgesetzt werden!

„Die Arbeiten zu einer umfassenden Pflegereform sind offenbar ins Stocken geraten. Im zuständigen Pflegeministerium ist es schon vor dem Rücktritt von Minister Anschober dazu ruhig geworden. Jetzt, nach dem Wechsel zu Minister Wolfgang Mückstein, muss die Arbeit dazu wieder rasch und umfassend aufgenommen werden!“, fordern Reinhard Waldhör, Vorsitzender der GÖD-Gesundheitsgewerkschaft, und Edgar Martin, Vorsitzender der younion _ Die Daseinsgewerkschaft Hauptgruppe II, gleichlautend.

Während Pflegepersonen in den öffentlichen Krankenhäusern zwar laufend als „Heldinnen und Helden“ tituliert werden, bewegt sich hinter den Kulissen nur wenig zum Besseren. „Die Arbeitsüberlastung hat im vergangenen Jahr ungeahnte Ausmaße angenommen. Die Kolleginnen und Kollegen brauchen Dienstplansicherheit und können nicht laufend einspringen. Wir fordern Investitionen in eine Ausbildungsreform, um hochqualifizierte Fachpflegepersonen in ausreichender Zahl zu gewinnen“, richtet Waldhör dringende Forderungen an die politisch Verantwortlichen.

Auch Edgar Martin bekräftigt notwendige Verbesserungen: „Die bedingungslose Aufnahme der Pflegeberufe in der Schwerarbeitsverordnung ist dringend notwendig. Einer aktuellen Fehlzeitenanalyse des wissenschaftlichen Instituts der deutschen AOK zufolge fehlten den Kolleginnen und Kollegen in den Pflegeberufen im Jahr 2020 durchschnittlich 25,4 Tage und damit 6,1 Tage mehr als in anderen Berufen. Die überdurchschnittlich hohen Arbeitsunfähigkeitszahlen in der Pflegebranche belegen, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in diesen verantwortungsvollen Berufen körperlich wie psychisch sehr hohen Belastungen ausgesetzt sind. Daher ist die Anerkennung aller Pflegeberufe als Schwerarbeiter ein Gebot der Stunde“.

Die GÖD-Gesundheitsgewerkschaft und younion – Hauptgruppe II – Team Gesundheit sind die Vertreter der 120.000 Beschäftigten im öffentlichen Gesundheits- und Pflegebereich. Rund 65.000 gehören den Pflegeberufen an.

Ohne Reformen fehlen 75.000 Fachkräfte!

Offener Brief an Gesundheitsminister und Landeshauptleute:

Nachwuchs braucht bessere Bedingungen

„Bis zum Jahr 2030 brauchen Gesundheits-, Pflege- und Sozialberufe rund 75.000 zusätzliche Fachkräfte. Unter den aktuellen Bedingungen ist das nicht machbar!“, warnt Sarah Kroboth, Referentin für Auszubildende in der Hauptgruppe II der younion_ Die Daseinsgewerkschaft. Die Gewerkschaftsjugend der younion, GÖD, Vida und GPA haben sich zusammengeschlossen und einen Brief an den Gesundheitsminister und die Landeshauptleute gesendet. Die Kernbotschaft: Auszubildende brauchen bessere Bedingungen und vor allem bessere Entlohnung.

„Niemand soll sagen können, wir hätten nicht rechtzeitig Alarm geschlagen“, erklärt Verena Strobl, Jugendsekretärin der GÖD. Derzeit sind die Anreize für eine Ausbildung nicht sehr verlockend. Strobl: „Mehr als die Hälfte ihrer Ausbildungszeit müssen junge Menschen im Gesundheits- und Pflegebereich mit praktischer Arbeit verbringen, nebenbei noch für Prüfungen lernen. Aber, und das ist der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt: Sie bekommen keine finanzielle Entschädigung dafür.“

Dabei mangelt es oft nicht an gutem Willen. Sehr wohl aber an der notwendigen Unterstützung durch die hohe Politik. Roman Brunner, Jugendsekretär der vida: „Einige Träger bemühen sich bereits seit Jahren um eine Verbesserung der Rahmenbedingungen und der Bezahlung, aber ohne die notwendige finanzielle Unterstützung durch die Bundesregierung stehen sie auf verlorenem Posten.“ Der Kampf um eine faire Bezahlung und bessere Rahmenbedingungen für Auszubildende ist seit jeher eine der Kernaufgaben der Gewerkschaftsjugend. Grundforderung ist ein Ausbildungsfond, in welchen Länder, Bund und private-kommerzielle Träger einzahlen sollen, um Auszubildende zu entlohnen.

„Es braucht viele Maßnahmen, um den Pflegekräftemangel zu bekämpfen. Eine Reform der Ausbildung wäre ein guter Anfang“, sagt Susanne Hofer, Vorsitzende der GPA-Jugend: „Wir fordern einen Ausbildungsfonds, aus dem junge Menschen in der Pflegeausbildung bezahlt werden. Ein Einstieg in den Pflegeberuf darf nicht daran scheitern, dass man ihn sich nicht leisten kann. In anderen Berufen ist die Ausbildung bezahlt, das muss auch für die Pflegeausbildung möglich sein.“

„Gerade in der aktuellen Krise wird ersichtlich, wie schnell unser Gesundheitssystem erschöpft sein kann. In den nächsten Jahren wird sich das wohl nicht ändern, wenn jetzt nichts getan wird. Wir müssen in die Auszubildenden investieren um unser ausgezeichnetes österreichisches Gesundheitssystem weiter aufrechtzuerhalten!“, sind sich die GewerkschafterInnen einig.

Gewerkschaften fordern Bonus für Gesundheitsberufe!

Die Leistungen der Menschen in unseren Betrieben bringen Österreich seit mehr als einem Jahr durch die Coronakrise. Die körperliche und seelische Beanspruchung in diesen Bereichen war schon vor der Pandemie sehr hoch, der Einsatz für unser aller Gesundheit verlangt ihnen regulär viel ab. Mittlerweile muss man die Belastungen aber als unmenschlich bezeichnen“, sind sich Edgar Martin (younion-Team Gesundheit) und Reinhard Waldhör (GÖD-Gesundheitsgewerkschaft) einig. Die beiden Gewerkschaften vertreten rund 120.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den öffentlichen Spitälern und Pflegezentren.

„Bundeskanzler Kurz hat unter dem Eindruck der sehr angespannten Situation finanzielle und arbeitsrechtliche Verbesserungen für das Intensivpersonal versprochen. Aus unserer Sicht kann er damit nur alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Gesundheits- und Pflegewesens gemeint haben“, stellten Martin und Waldhör Dienstag klar. Damit Gesundheit und qualitätsvolle Betreuung gelingen, braucht es das Zusammenspiel aller Berufsgruppen – gerät eine davon ins Wanken, wirkt sich das auf alle aus.

Die Anerkennung der Leistungen aller im Gesundheits- und Pflegebereich Beschäftigten soll sich in der Zuerkennung eines steuerfreien Tausend Euro Wirtschaftsgutscheins für diese Bediensteten widerspiegeln – von Wien bis Vorarlberg. Diese Form eines Bonus würde als Teil des „Comebackplans für Österreich“ der Regierung sofort eine Steigerung des Konsums ermöglichen: „Unseren KollegInnen ist bewusst, dass wir alle Teil eines großen Systems sind. Es ist wichtig, dass das Geld direkt bei den Menschen ankommt – ob beim lokalen Gemischtwarenhändler, der kleinen Boutique, dem Gasthaus ums Eck oder der Familienpension im nächsten Österreichurlaub.“

Gleichzeitig fordern die beiden Gewerkschaften den unumstrittenen Zugang dieser Berufe zur Schwerarbeitspension. Die Rolle als Bittsteller bei der Pensionsversicherung nach einer schweren Berufslaufbahn muss ein Ende haben.

Der Bonus darf allerdings nicht von den Problemstellungen in den Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen ablenken: „Das mediale Interesse für die Belastungen während der Pandemie hat nur zutage gefördert, worauf wir seit Jahren hinweisen. Um die Zukunft besser gestalten zu können, braucht es eine Vielfalt an zusätzlichen Maßnahmen. Besonders hervorzuheben ist eine Ausbildungsoffensive in allen Gesundheitsberufen.“

Der aktuelle Ruf nach mehr Intensivbetten schießt dabei am Ziel vorbei. „Betten alleine tragen zur Genesung nichts bei. Was zählt sind einzig und alleine die Menschen, die an und um diese Betten und den darin liegenden Menschen tätig sind. Geht es ihnen gut und fühlen sie sich sicher, profitieren wir alle davon – vom Neugeborenen bis ins hohe Alter.“