Kritik an Arbeit in Spitälern und Pflegeheimen trotz positiven COVID-Befunds

Kritik an Arbeit in Spitälern und Pflegeheimen trotz positiven COVID-Befunds

„Offensive Gesundheit“ sieht „vorsätzliche Gefährdung von Patientinnen und Patienten“ – Verheerendes Signal des Gesundheitsministers in Richtung der Bevölkerung

Die „Offensive Gesundheit“, ein Zusammenschluss von Gewerkschaften, Arbeiter- und Ärztekammer, kritisiert „aufs Schärfste“ die Vorgabe von Gesundheitsminister Rudolf Anschober, schwach positiv getestete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiter in Spitälern, Pflegeheimen und mobilen Diensten arbeiten zu lassen, obwohl Österreich derzeit vor „massiven Einschränkungen des privaten und wirtschaftlichen Lebens“ stehe. Sie spricht von einer „vorsätzlichen Gefährdung von Patientinnen und Patienten durch den Minister sowie einem verheerenden Signal in Richtung der Bevölkerung“. ****

Damit werde der Eindruck erweckt, dass es keinerlei Bedeutung habe, einen positiven COVID-19-Befund zu haben, solange sich keine Symptome zeigten. Gerade in der aktuell zweiten Welle müsse aber alles darangesetzt werden, der Bevölkerung vor Augen zu führen, wie wichtig es sei, sich ausnahmslos an die Vorgaben der Regierung zu halten. Wenn nun positiv Getestete sogar ihren Dienst in Spitälern und Pflegeheimen verrichten dürften, würde der Bevölkerung signalisiert, dass alles „eh nicht so schlimm“ sei. Zudem werde der Schutz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter völlig missachtet, „wobei dies eigentlich im besonderen Interesse des Gesundheitsministers liegen müsste, um die medizinische Versorgung der Österreicher auch in den nächsten Tagen und Wochen zu gewährleisten“.

Aufgrund der vielen Kommunikationsfehler seitens der Regierung sei schon in der Vergangenheit das Verständnis innerhalb der Bevölkerung für die lückenlose Einhaltung von Vorsichtmaßnahmen konterkariert worden. „Wie bitte soll man den Menschen nun erklären, sich an Quarantäne, Ausgangssperren und Minimierung der sozialen Kontakte zu halten, wenn auf der anderen Seite ein Minister positiv getestete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Spitälern, Pflegeheimen und mobilen Diensten arbeiten lässt“, fragen die Vertreterinnen und Vertreter der Initiative.

Für die Offensive steht jedoch weiterhin ein freiwilliger, von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern selbst entschiedener Einsatz als Kontakt 1-Person außer Frage: „Dass wir gerade jetzt zusammenhalten müssen, ist selbstverständlich. In unseren Berufen hören wir den Menschen zu und wissen, was sie brauchen, um gesund zu werden.“

„Unsere wichtigste Ressource in der Zeit dieser Pandemie sind jene Menschen, die beruflich alles Menschenmögliche dafür tun, dass Österreich den Kampf für unser aller Gesundheit gewinnt. Wir müssen diese Menschen schützen und unterstützen“, so die Offensive weiter. Die Einführung einer Teststrategie in Spitälern und Pflegheimen werde grundsätzlich – bis auf den Umstand, positiv getestete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten zu lassen – „positiv“ gesehen. Warum es keine Teststrategie für die mobile Pflege und Betreuung sowie die Rettungs- und Krankentransporte gebe, sei jedoch „vollkommen unverständlich“, da gerade die dort tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ständig in Kontakt mit Risikopatientinnen und –patienten seien.

Anstelle die Arbeits- und Rahmenbedingungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gesundheits- und Langzeitpflegebereich in den letzten acht Monaten zu verbessern und eine Personaloffensive zu starten, ergreife der Bundesminister nun Maßnahmen, die „völlig unverständlich“ in Zeiten einer Pandemie seien. Die „Offensive Gesundheit“ fordert daher „eine rasche Rücknahme dieses geradezu absurden Teils der Verordnung und die Einführung einer Teststrategie auch für die mobilen Dienste“.

 

(S E R V I C E – Die „Offensive Gesundheit“ ist eine gemeinsame Initiative der Arbeiterkammer Wien, der Ärztekammer für Wien, der ÖGB / ARGE – FGV Gesundheits- und Sozialberufe sowie der Gewerkschaften GÖD-Gesundheitsgewerkschaft, GPA-djp, Gewerkschaft vida und younion – die Daseinsgewerkschaft HG II. Mehr Informationen und Details finden Sie unter www.offensivegesundheit.at.)